Kerpen-Brueggen

Geschichte und Geschichten

Brüggen ohne eigene Schule

Brüggen gehörte früher zur Pfarre Kierdorf im Nachbarkreis Euskirchen. So kam es, daß die Kinder aus Brüggen die Pfarrschule zu Kierdorf besuchen mußten, die vom jeweiligen Küster verwaltet wurde. 

Da das Küsteramt meist vom Vater auf den Sohn überging, stellte die Familie Kerp gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Schulmeister - Magister. Nach Johannes Kerp folgte dessen Sohn Aegidius, der die Schulstelle 36 Jahre hindurch verwaltete. 

Im Jahre 1827 zählte die einklassige Schule zu Kierdorf 130 schulpflichtige Kinder. Davon waren allein 86 Kinder aus Brüggen. Aus Kierdorf und Roggendorf kamen 44 Kinder. 

Es wurde nun erwogen, entweder das Schulhaus in Kierdorf zu erweitern oder aber in Brüggen eine eigene Schule zu errichten. Für den Erweiterungsbau sollte Brüggen etwa 60% der Gesamtkosten übernehmen. 

Der damalige Gemeinderat von Türnich, der auch für Brüggen zuständig war, vertrat einstimmig die Auffassung, daß erstens der Schulweg von einer Viertelstunde nicht zu weit sei, daß zweitens Brüggen viel zu arm sei, um eine eigene Schule zu errichten und sie auch noch zu unterhalten. Außerdem sei das Schulhaus in Kierdorf erweiterungsfähig und in gutem Zustand. An den Kosten werde sich Brüggen beteiligen. 

Bürgermeister Curt von Liblar, dem auch Kierdorf unterstand, schlug vor, daß die Kinder von Kierdorf Roggendorf morgens und die von Brüggen nachmittags zur Schule kommen sollten. 

Eines Tages wurde das Forsthaus in Kierdorf von der Domänenverwaltung in Brühl zum Verkauf angeboten. Die Gemeinderäte von Liblar und Türnich einigten sich sehr schnell darüber, für das Haus mit der daneben gelegenen Scheune und einem sogenannten "Magdeburger Morgen" großen Garten bis zu 750 Taler zu bieten. Das alte Schulhaus sollte dann verkauft werden. Da es den beteiligten Gemeinden nicht möglich war, die Hälfte des Kaufpreises von 700 Talern gleich nach der Genehmigung und den Rest nach sechs Monaten zu bezahlen, bat der Gemeinderat die Regierung, den "Kaufschilling" in drei jährlichen Raten abtragen oder den aufzubringenden Betrag gegen Zinsen aufnehmen zu dürfen. Der letzte Vorschlag fand die Zustimmung der Regierung. 

Das alte Schulhaus wurde vom Küster Kerp für 403 Taler erworben. Den Kaufanteil für das neue Schulhaus setzte man für Brüggen auf drei Fünftel und für Kierdorf auf zwei Fünftel fest. Da der Kaufpreis für das Forsthaus 700 Taler betrug, der Verkauf des alten Gebäudes aber 403 Taler einbrachte, so mußten noch 297 Taler gezahlt werden. Außerdem setzte man für die bauliche Einrichtung des neuen Schulhauses noch 100 Taler ein. 

Am 26. Oktober 1829 war die Teilung der Einkünfte aus Liegenschaften für Lehrer und Küster. Da die Regierung mit Beschluß vom 8. Oktober 1829 verfügt hatte, die Lehrergehälter zu erhöhen und einen Unterlehrer einzustellen, erklärten am 2. November die Gemeinderäte von Liblar und Türnich es für unmöglich, einen Mehrbetrag zur Besoldung eines Unterlehrers aufzubringen. 

Es hieß da:"Der Schulbezirk Kierdorf besteht meistens aus armen Tagelöhnern und Torfarbeitern, die zum größten Teil nicht in der Lage sind, für ihre schulpflichtigen Kinder das Normalschulgeld von drei Silbergroschen je Monat zu zahlen. Eine Übernahme des Schulgeldes auf die Gemeindekasse ist wegen der schlechten Grundvermögensverhältnisse unmöglich. Auch ist die Armut des Schulbezirks wirklich so groß, daß bei Winterszeit viele Kinder der Blöße wegen die Schule nicht besuchen können, welchem Obel, da kein Armenfonds vorhanden ist, nicht leicht abgeholfen werden kann. Dagegen müssen bei Sommerszeit häufige Dispenzen eintreten, weil die meisten Einwohner ihre Kinder auf dem Broich zum Klüttenmachen unumgänglich nötig haben und letztere dann auf gewisse Tagesstunden unterrichtet werden müssen." 

Die Gemeinderäte schlugen der Regierung vor, den Lehrer Hubert Außem aus Brauweiler einzustellen, der sich bereit erklärt hatte, die Schulstelle in Kierdorf für ein jährliches Gehalt von 170 Talern, nebst freier Wohnung mit Garten und 10 Talern für Brand, ohne Unterlehrer zu übernehmen. 

Damals besuchten bereits 170 Kinder die Schule. Davon kamen aus Brüggen allein 102 Kinder. Lehrer Hubert Außem wurde 1829 Nachfolger von Aegidius Kerp. Danach folgte als Lehrer Johann Felix Dechant, der 1834 nicht weniger als 210 Kinder zu unterrichten hatte. Im Jahre 1837 kündigte Lehrer Dechant, so daß die Stelle zum 1. Januar wieder vakant war. Am 21. Oktober 1837 beschlossen die Gemeindeväter von Liblar und Türnich in der Wohnung des Schöffen und Gastwirts Krug zu Kierdorf "nach reiflicher Überlegung und vielen stattgehabten Reden, daß die Anstellung eines Unterlehrers (den die Regierung verlangt hatte) wenigstens einen Kostenaufwand von 110 Talern erfordert, daß dagegen die Trennung der Geschlechter bei einer Zahl von 270 schulpflichtigen Kindern sehr wünschenswert erscheint. Die Erfahrung habe bereits hinreichend gelehrt, daß die Mädchenschulen allenthalben gute Fortschritte machen und eine ordentliche Lehrerin für ein Gehalt von 120 Talern zu haben ist." 

Da hinreichend Wohnräume und auch Garten vorhanden waren, beantragten die Gemeinderäte für die Knaben die Anstellung eines Lehrers mit 150 Talern Gehalt, 8 Taler für Brand, freie Wohnung und einen halben Morgen Garten. Die Lehrerstelle wurde am 5. Mai 1838 dem Lehrer Peter Josef Spelter aus Gymnich übertragen. Nach seiner Versetzung folgte am 8. Januar 1843 der Lehrer Wilhelm Josef Elvenich aus Oberwichterich. Er war 51 Jahre als Lehrer in Kierdorf tätig, also bis 1894.