Kerpen-Brueggen

Geschichte und Geschichten

Wie Brüggen doch noch eine eigene Schule erhielt. Beharrlichkeit zahlt sich aus.

Es sind jetzt genau 95 Jahre her, man schrieb das Jahr 1869, da besuchten ca. 160 Kinder aus Brüggen die Schule in Kierdorf. Die Klassen waren überfüllt. In jeder Klasse saßen 140 Kinder, obschon man die Knaben bereits mit 13 Jahren aus der Schule entließ. 

 Da ein Neubau unbedingt notwendig wurde, wünschte Brüggen, aus dem Schulverband auszuscheiden und verlangte die Herausgabe von 60% des Schulvermögens, das Bürgermeister Franz Broel (Türnich) auf 3 500 Taler schätzte; er verlangte 2100 Taler. Kierdorf weigerte sich natürlich. Es verlangte vielmehr, Brüggen sollte sich finanziell an einem Schulneubau in Kierdorf beteiligen. 

Darüber kam es zu langen Verhandlungen zwischen den Bürgermeistern Broel (Türnich) und Kiel (Lechenich). Beiderseits wurden Eingaben gemacht. 

Die Regierung hielt Brüggen an, in Kierdorf mitzubauen, und der Kreisbaumeister Schubert aus Euskirchen wurde mit der Ausarbeitung eines Planes beauftragt. Der Plan kam im Kostenanschlag auf 9 000 Taler. Die Brüggener richteten nun eine Bittschrift an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz, von Bardeleben, in Koblenz. Dieser entschied im Sinne der Regierung und wies Brüggen an, in Kierdorf mitzubauen, da die Regierung ein mehrklassiges Schulsystem einführen wollte. 

 Die Kierdorfer triumphierten schon. Da sattelte der Brüggener Burghalfe Gottfried Päffgen seinen Schimmel und ritt zum Stadtkommandanten von Köln, bei dem er in Berlin bei den Gardedragonern als Bursche gedient hatte. Als er zurückkam, klopfte er dem Schmied Clemens auf die Tür und rief ihm zu: "Wir haben das Seil, das uns Kierdorf um die Hörner tat, abgestreift!" 

Bürgermeister Broel und Landrat Rinteln ließen aber nicht nach, und es wurde nunmehr erreicht, daß die königliche Regierung eine Ortsbesichtigung vornahm.  

Am 31. März 1869 gingen Oberregierungsrat Breuer, Regierungs und Schulrat Blum, die Landräte Rinteln und Schröder (letzterer aus Euskirchen), die Bürgermeister von Türnich und Liblar sowie die beiden Gemeinderäte der beteiligten Gemeinden vom Schulhause in Kierdorf ab, um mit der Uhr in der Hand die Entfernung abzuschätzen! Allen voran ging der Burghalfe Gottfried Päffgen. Er erzählte den Gästen eifrig von den früheren Torfgruben, vom Bergrutsch am Wieschen, dem Streit um alte Konzessionen, zeigte bald hierhin und bald dorthin, blieb schon einmal stehen und ging dann ganz langsam weiter. Erst nach 20 Minuten war man in Brüggen angekommen. Die Kommission beschloß, Brüggen die Erlaubnis zum Bau einer Schule zu erteilen.